Ein kleiner Held

Sieben kleine Welpen erblickten am gleichen Tag das Licht der Welt. Einer davon war ich. Es war ein wunderschöner Herbstsonntag. Die Sonne schien und auf einem kleinen Bauernhof bei Mindelheim erwachte nach und nach das Leben. Überragt wurde der Hof von einer riesigen alten Burg auf der einst der edle Ritter Frundsberg lebte. Es war Erntezeit. Die Bauern fuhren ihr goldschimmerndes Getreide ein. Und überall duftete es nach frisch gemähtem Gras. Es fühlte sich an wie das Paradies auf Erden! In aller Frühe schon krähten die Hähne und weckten uns aus unseren Träumen.

Vergnügt sprangen wir Welpentiger aus dem Bett, nach dem alten Motto: »Carpe diem, nutze den Tag!« Waschen und Kämmen brauchten wir uns ja nicht. Nur noch ein Schlückchen Milch von unserer Hundemami getrunken, um uns für neue Abenteuer zu stärken. Da öffnete schon der Bauer die Stalltüren. Wer zuerst draußen war, durfte die frei laufenden Enten quakend und flatternd durch den Hof jagen. Das war ein Spaß! Ich bewunderte ihr farbenfrohes Federfell, das herrlich in allen Regenbogenfarben schimmerte! Doch wir waren halt Lausbuben, und Lausbüberei ist immer stärker als Schönheit. Am liebsten hätten wir die ganze Welt erschreckt!

Hatten wir kleine Retrieverrasselbande uns mit den Enten ausgetobt, sausten wir der Nase nach in Richtung Schweinestall. Unser Anführer war unser tapferer Bruder, etwas größer und auch dunkler in der Farbe als wir anderen. Wir nannten ihn »Hero«, denn er war unser Held. Eigentlich schreibt das Regelwerk zur Zucht von Golden Retrievern ja ein cremefarben bis golden schimmerndes Fell vor. Doch Heros Fell erinnerte mich eher an Schokolade, so dunkel war es.

Leider gehörte ich zu den kleineren Geschwistern, und auch mein Fell war ziemlich hell. Und dann war da auch noch mein rosa Näschen, das Schlimmste von allem! Immer wieder sprachen mich Menschen darauf an, auch wildfremde: »Oh, bist du aber ein hübscher Hund! Diese Goldlöckchen, wie süß! Und die braunen Augen, mit den langen seidigen Wimpern! Und das rote Näschen, mei!« Oh, weh … mein rosa Näschen! Jedes Mal, wenn ich darauf angesprochen werde, komme ich mir vor wie ein rosiges rundes Ferkel! Normalerweise hätte meine Nase sogar schwarz werden sollen.  Wahrscheinlich entsprach auch ich nicht unbedingt den Regeln der Golden-Retriever-Aristokratie.

Im Original weiterlesen: goo.gl/rqplG


Sieben kleine Welpen erblickten am gleichen Tag das Licht der Welt. Einer davon war ich.

Dass sich das Schicksal dieser Familie einmal mit dem meinen verweben könnte, das konnte ich ja nicht ahnen. Stattdessen lebte ich glücklich und sorgenfrei wie ein kleiner Welpenspitzbub in den Tag hinein.