Erik Forssman: Goethezeit. Über die Entstehung des bürgerlichen Kunstverständnisses
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Erik Forssman: Goethezeit. Über die Entstehung des bürgerlichen Kunstverständnisses

Rezension von Silke Jäckle

 

  • Erik Forssman: Goethezeit. Über die Entstehung des bürgerlichen Kunstverständnisses. München: Deutscher Kunstverlag 1999. 318 Seiten, Illustrationen, ISBN: 3-422-06249-1. 

„Goethezeit. Über die Entstehung des bürgerlichen Kunstverständnisses“ von Professor Dr. Erik Forssman präsentiert die Goethezeit vom Standpunkt des Kunsthistorikers als eine zusammenhängende Epoche der deutschen Geistes- und Kunstgeschichte. Dabei stellt der Verfasser den Bezug Goethes zur bildenden Kunst und Architektur eindrucksvoll dar und verdeutlicht dem Leser den starken Einfluß den der Dichter durch seine Tätigkeiten und den daraus resultierenden Schriften auf die Kunstgeschichte der Goethezeit hatte. Nicht zuletzt durch die Begründung des Kunstverständnisses des Bildungsbürgertums kann dieser Einfluß dokumentiert werden. 
 
Bereits im Vorwort gelingt es dem Verfasser den Bezug Goethes zur bildenden Kunst und Architektur durch einen kurzen Abriß des Lebens des Dichters darzustellen. Dieser Bezug durchzieht das gesamte Werk wie ein roter Faden und findet besondere Behandlung in den einzelnen Kapiteln. 
 
So wird im Kapitel „Baukunst“ sowohl der Kontakt Goethes mit verschiedenen Bauwerken als auch mit diversen Theorieschriften erläutert. Besondere Behand-lung erfährt der Straßburger Münster, der Goethe u. a. dazu veranlaßte sich näher mit der Baukunst zu befassen, und der italienische Baumeister Palladio, dessen Bauwerke und theoretische Erläuterungen den Dichter bereits vor seiner Italienreise faszinierten. Des Weiteren wird auch Goethes Tätigkeit in der Schloßbaukommission und sein wachsendes Interesse an der griechischen Baukunst behandelt. 
 
„Plastik“, welches das nächste Kapitel in „Goethezeit. Über die Entstehung des bürgerlichen Kunstverständnisses“ ist, befaßt sich vor allem mit der griechischen Plastik, die allen Bildhauern als Vorbild dienen sollte, und mit dem plastischen Porträt, das in bürgerlichen Kreisen immer populärer wurde. Speziell Goethe war als Modell besonders beliebt und so darf es auch nicht verwundern, daß er wohl die am meisten porträtierte Person seiner Zeit war. Daneben wird außerdem noch sehr ausführlich Goethes Beschäftigung mit Cellini und Winckelmann erläutert. 
 
Das letzte Kapitel, das den Titel „Malerei“ trägt, zeigt eingehend die Entwicklung der Malerei während der Aufklärung, des Sturm und Drang, der Klassik und der Romantik. Der Disput zwischen den Anhängern der klassischen Malerei und denen der romantischen Malerei stellt den Höhepunkt des Kapitels dar und erfährt besondere Behandlung. Ferner befaßt sich der Verfasser hier mit der italienischen Malerei und auch mit den deutschen Malern in Italien, wie beispielsweise mit Angelika Kauffmann, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein oder Jakob Philipp Hackert, zu denen Goethe einen besonderen Kontakt pflegte. 
 
Im Nachwort findet der Leser schließlich die Antwort auf die Frage, was von der Goethezeit übrig geblieben sei. Denn obwohl viele Ansichten dieser Zeit heute als überholt gelten, muß man ihr dennoch anerkennen, daß letztlich die Kunstgeschichte als wissenschaftliche Disziplin und das Museum als bildungsfördernde Institution ihren Ursprung im bürgerlichen Kunstverständnis der Goethezeit haben. 
 
Silke Jäckle 
Bad Wörishofen, den 16. Januar 2006 

 

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