Den Anfang der klassizistischen Italienrezeption in der deutschsprachigen Literatur und auch den Beginn der Tradition des Sehnsuchtsmotivs nach dem Objekt »Italien« macht Johann Jakob Wilhelm Heinse mit dem Roman »Ardinghello und die glückseligen Inseln« (1787).
Deutlicher zeigt sich der deutsch-italienische Kulturgegensatz bei Johann Wolfgang von Goethe, dem Hauptrepräsentanten des klassizistischen Italienbildes. Goethe schuf mit seiner Italienreise ein Wahrnehmungsparadigma, welches das Italienbild des gesamten 19. Jahrhunderts prägte.
Johann Gottfried Seume hingegen zeichnet in »Der Spaziergang nach Syrakus« (1802) ein völlig diverses Italienbild. Seume sucht in Italien nicht wie Goethe das Ideal der Antike oder wie Heinse das freie sinnliche Leben, sondern den unmittelbaren Zugang zur italienischen Lebenswirklichkeit.