Ich starrte auf die Karte. Eine Visitenkarte. Am Bahnhof hergestellt, im Automaten. Ein Schwung davon für fünf Euro. Kurz fragte ich mich, was mit den übrigen Karten geschehen sein mochte, mit jenen, die kein Mensch brauchte. Denn es ging ja nur um diese eine Karte hier, die man mir unter der Tür hindurchgeschoben hatte. Die ich aufgehoben hatte, arglos. Und auf der jetzt mein Blick klebte. Da stand ein Name, der mir seit vielen Jahren vertraut war. Ein Name, der mir mit einem Schwall von Blut ins Hirn schoß. Eine Adresse, die unmöglich echt sein konnte, in Bolivien, und dazu eine Telefonnummer, die viel zu lang war, als daß man mit ihr auf diesem Planeten einen Anschluß hätte herstellen können. Ich konnte mich nicht rühren; ich konnte nur da stehen und diese Karte anglotzen. Endlich setzte ich mich auf den klapprigen Stuhl, der vor dem schmalen Tisch stand. Mein Blick wanderte zum Fenster, ohne doch hinauszugelangen. Hamburg lag unsichtbar vor mir, St. Pauli, die Reeperbahn. Fahle, stumpfe Dächer mit einem kaltgrauen Himmel darüber, darin ein paar Möwen, die kreischten. Ein halbes Jahr, immerhin, hatte ich hier gelebt. Eine schmuddelige, verwahrloste Pension, ein Zimmerservice, der lächerlich, und ein Betreiber, der immer betrunken war. Genau das, was ich gesucht hatte. Und nun hatten sie mich gefunden.