Berenson - der Conaisseur
Bernard Berenson war der letzte Connaisseur des 20. Jahrhunderts. Er sah die Inventarisierung von Kunstwerken der italienischen Renaissance als seine Lebensaufgabe. Methodisch lehnte er sich dabei an seine Vorbilder an. Berenson ergänzte die anatomisch-morphologischen Vergleiche Morellis um ikonographische Tradition und historische „Wahrscheinlichkeit“ des Decorums. Die ästhetisch-psychologische Komponente der Analysen folgte Pater und William James. Beide bildeten zusammen mit der Sammlung von Photographien die Basis für die Zuschreibungen und halfen Berenson bei der Deduktion der „künstlerischen Persönlichkeiten“ für jene „Hände“ die historisch nicht fassbar waren. Die Ergebnisse dieser intensiven Forschung gelten teils noch heute. Seine theoretischen Versuche jedoch waren damals schon der Schwachpunkt.
Berenson - der Kunstagent und sein Einfluß
Berenson prägte durch seine sehr erfolgreiche Agententätigkeit für den Londoner Händler Colnaghi und, in exklusiver, geheimer Verbindung, für die New York Duveen & Duveen den amerikanischen Kunstmarkt. Die Vorträge seiner Frau, anlässlich der USA Reisen des Ehepaares, und Berensons Artikel über Einzelobjekte sowie die Bewertung ganzer Sammlungen in der Fachpresse veränderten die Kunstlandschaft. Man begann italienische Kunst zu schätzten. Einzelne Sammler folgten seinem Beispiel und widmeten sich entgegen dem Trend der religiös geprägten Renaissancekunst Italiens.
Berenson - ein untypischer Sammler
Berenson kaufte von 1890 bis 1921 etwa 150 Gemälde zu niedrigen Preisen, von Händlern, aus Kirchen, Klöster und Adelspalästen für die Ausstattung seines Wohnhauses. Die Werke kleinerer Meister aller wichtigen italienischen Schulen, von sehr unterschiedlicher Qualität, zeigen eine Querschnitt der frühen religiösen Kunst des XII bis 21. Jahrhunderts.
Er arrangierte die Objekte in historischem Ambiente, nach ästhetischen Prinzipien in kleinen Gruppen, setzte sie zueinander in räumliche Beziehungen, die bis heute im ursprünglichen Zustand erhalten sind, da er selten Stücke veräußerte. Berensons war nach eigener Aussage kein „Sammler“, vielmehr ein „Liebhaber“. Die Gemälde, Photographien und Bücher bilden den Grundstock seiner Stiftung. Sie wurde der Universität Harvard angegliedert und steht heute allen Wissenschaftlern offen, die die italienische Renaissancekultur erforschen.
Korridor vor den Arbeitszimmern von Berenson und seiner Frau Mary
Kurzbibliographie:
- Brown, David 1979, Berenson and the Conoisseurship of Italian Painting, Washington D.C.: National Gallery of Art, (Text und AK)
- Samuels, Ernest, 1979, Bernard Berenson, The Making of a Connoisseur, Cambridge et al.: Harvard University Press
- Samuels, Ernest: 1987, The Making of a Legend, Cambridge et al.: Harvard University Press
- Simpson Collin, 1987, Artful partners. Bernard Berenson and Joseph Duveen. The startling story of the secret collusion between the century’s most eminent art critic and the world’s most successful art dealer, New York: MacMillan
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Autor:
Christine Lapping: Bernard Berenson als Kenner, Vermittler und Sammler.
Erstellt am 01.04.2001. Letzte Aktualisierung: 01.11.2005