Nicola Gadow, Gordana Kelava:
Literaturtheoretische Aspekte
Inhalt
Literaturtheoretische Aspekte
Ergebnisprotokoll der Sitzung vom 12. Februar 2004
1. Intertextualität
In Lodges Roman Changing Places findet man sowohl lineare als auch perspektivierende Intertextualität. Die Begriffe stammen aus dem von Manfred Pfister und Ulrich Broich herausgegebenen Sammelband: Intertextualität: Formen, Funktionen, anglistische Fallstudien. Tübingen, 1985 (vgl. hier: Ulrich Suerbaum: „Intertextualität und Gattung“, 64-68); lineare Intertextualität bezeichnet dort die explizite Markierung und Einreihung des Posttextes in die Tradition des Prätextes, wobei es sich aber keinesfalls um bloße Nachahmungen handelt, sondern um die Weiterführung und innovative Erweiterung dieser Tradition. Die perspektivierende Intertextualität hingegen bindet den Posttext nicht in eine bestimmte Tradition ein, sondern verwendet intertextuelle Verweise auf unterschiedlichste Prätexte, um unter bestimmten Auswahlkriterien eine eigene Bezugsreihe herzustellen. Die Verwendung des Prätextes ist somit nicht durch seine Gattung determiniert.
Die im Thesenpapier unter perspektivierende Intertextualität aufgeführten Beispiele aus Changing Places, der Pater Noster und das Spiel Humiliation, sind selbst nicht intertextuell, sondern bedingen als Motiv bzw. Bild intertextuelle Verweise.
Wie der Gattungswechsel innerhalb des Romans Changing Places, kann auch die Intertextualität als Spielerei des Autors verstanden werden, die moderne Varianten bereits ‚ausgestorbener’ Gattungen produziert. Zudem wird durch die Intertextualität mit Vorwissen und Bildung der Leserschaft gespielt, wenn etwa eine Figur über intertextuelle Bezugnahmen charakterisiert wird. In diesem Zusammenhang spielt auch die Markierung der Intertextualität eine Rolle, da nicht von einer einheitlichen Vorbildung ausgegangen werden kann. Eine starke Markierung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verweis auch erkannt wird (vgl. auch layered fiction).
2. Dekonstruktivistische Literaturtheorie
Der Roman Der Tod des Autors von Gilbert Adair ist ein Schlüsselroman über den Dekonstruktivisten Paul De Man (die Theorie De Mans, d.h. die amerikanische Dekonstruktion ist nicht gleichzusetzen mit der französischen Dekonstruktion um Derrida). Der Roman ist stark biographisch motiviert; er übernimmt viele historische Fakten, und ordnet zudem die erwähnten, erläuterten Literaturtheorien (Intertextualität) in ihren historischen Kontext ein.
Sfax, der Ich-Erzähler des Romans, positioniert sich selbst nicht eindeutig innerhalb einer Theorie. Die von ihm propagierte Theorie der „Teufelsspirale“ stellt eine Populärversion der Dekonstruktion dar: Es gibt keine feste Bedeutung bzw. keine definitive Aussage eines Textes. Sfax stellt die gesamte Lektüre in Frage, indem er behauptet, dass Sprache nicht eindeutig sein kann und somit Interpretationen automatisch falsch sind.
Es kommt zur Realisierung der literaturtheoretischen Metapher (Tod des Autors) per Kriminalsujet. Die wichtigste Figur der Dekonstruktion, die Aporie, wird im Roman narrativ umgesetzt.
Marlene Zöhrer