Eva Stein:
Kombination von Gattungen und Textsorten
Inhalt
Kombination von Gattungen und Textsorten
Ergebnisprotokoll vom xxx
1. Kombination von Gattungen und Textsorten
1.1 Gaudy Night
Die in den Kriminalroman eingebetteten Gedichte erzeugen Spannung zwischen den Textsorten Gedicht und Krimi. Im besonderen Maße gilt dies für das in den Text eingebettete Sonett. Das Sonett verweist, wie auch die Gedichte auf eine sozusagen höhere Form der Textualität, können somit als Indiz für die Universität gedeutet werden.
Das Sonett kann als eigener, dialogischer Ort innerhalb des Textes verstanden werden. Nicht nur Gaudy Night ist durch die Einbettung der Gedichte zweistimmig, sondern auch das Sonett selbst. Durch seine dialogische Struktur (das Sonett wird in Co-Produktion von einer Autorin und einem Autor geschrieben, wobei die Sonettform erst durch die männliche Initiative entsteht), bricht es nicht nur die Struktur des Kriminalromans Gaudy Night, sondern auch die Sonetttradition auf: In der Sonetttradition ist sowohl die Doppelstimmigkeit wie auch die Autorschaft einer Frau ungewöhnlich; allerdings gab es gerade in der englischen Literatur bereits sehr früh Sonettdichterinnen.
Als Ort im Text spielt das Sonett eine besondere Rolle, da hier, d.h. in der Lyrik, eine imaginäre Vereinigung vollzogen werden kann. Die dialogische Struktur ist somit auf der Ebene der histoire motiviert.
1.2 Die Brandung
Rilkes Gedicht „Der Panther“ erfüllt in Die Brandung die Aufgabe der Situationsbespiegelung, d.h. Halms eigene Situation wird anhand des Vergleichs mit der des Panthers charakterisiert.
Shakespeares „Sonett 129“ spielt für die Charakterisierung der zwischenmenschlichen Beziehung eine tragende Rolle. Wobei hier vor allem dem Akt des Übersetzens und des mündlichen Vortrags besondere Bedeutung zukommt. Das erotisch aufgeladene Vortragen des Gedichts, das sich bis zur Ekstase zu steigern scheint (vgl. Lautstärke des Vortrags), tritt hier an die Stelle des Liebesaktes. Somit drückt das Gedicht und sein Vortrag nicht allein den Gewissenkonflikt der Charaktere aus, sondern bildet einen autonomen Ort innerhalb des Geschehens: Hier gehen die Figuren sprachlich einen Schritt weiter als körperlich, die Vereinigung wird durch den Vortrag des Gedichts performiert.
2. Kombination von Lyrik und Prosa
Die Kombination von Lyrik und Prosa erscheint heutzutage ungewöhnlich, kann aber im Grunde auf eine lange Tradition zurückgeführt werden. So gibt es Genres, die auf diese Kombination von Textsorten aufbauen (z.B. Schäferroman). Die Textkombination von Prosatext und Lyrik wird unter dem Begriff Prosimetrum zusammengefasst.
In den untersuchten Texten ist diese Textkombination nicht allein deshalb zu untersuchen, weil sie eigentlich unüblich geworden ist, sondern weil sie in auffallender Weise die Präsenz und Existenz des jeweils ‚anderen’ zum Vorschein bringt und betont.
2.1 Todas las almas - Aller Seelen
Die Verwendung der Fotos in Aller Seelen bleibt rätselhaft, denn weder über die Positionierung im Text, noch über die dargestellte, eigentlich nebensächliche Figur (Gawsworth), können konkrete Rückschlüsse auf den Sinn des Einsatzes der Fotos gewonnen werden. Denkbar ist, die Fotos als Indiz für eine vorliegende Biographie zu verstehen. Auch könnten sie einen Verweis auf den Romantitel „Aller Seelen“ darstellen, indem die Abbildung der Totenmaske mit der Abbildung der Seele des Verstorbenen gleichgesetzt wird.
2.2 Changing Places:
In David Lodges Roman kommen die unterschiedlichsten Textformen, wie etwa Briefroman, Filmdrehbuch, Zeitungsartikel, zum Einsatz; die Präsentationsform des Erzählten wechselt mit jedem Kapitel. Die unterschiedlichen Techniken und Gattungen finden hierbei keine zwingende Motivation im Text, sondern werden als Spielerei des Autors vorgeführt; sie dienen zudem dem Witz und der Selbstreflexion des Textes.
Die Zeitungsartikel, als Anklänge an die dokumentarische Literatur, simulieren eine multiperspektivische Technik, die dem Leser den Eindruck freier Meinungsbildung vermitteln kann.
Marlene Zöhrer