Intrigen
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Campus Novels - Universitätsromane: Die Universität als literarisches Motiv

Ilka Sundermann: Das Intrigenspiel im Campus Novel
 

Inhalt

1. Wortgeschichte und Definitionsansatz zur Intrige

2. Konstruktionsrelevante Gesichtspunkte des Idealtypus "Intrige"

2.1 Die Verhaltensstruktur "Intrige"

2.2 Der Intrigenkontext

3. Inhaltsanalysen der beiden Werke in Bezug auf das Merkmal Intrige

3.1 David Lodge: Small World

3.2 Dorothee Nolte: Die Intrige

 

"Die Intrige"
Ergebnisprotokoll der Sitzung vom 27. November 2003

 

1. Kleine allgemeine Einleitung

Die Intrige ist ein zentrales Sujet in Inhalt und Aufbau von Universitätsromanen. Durch sie erfahren Texte, die unter dem Makel der Trivialliteratur leiden, eine Aufwertung, denn die Stärke von manchen banalen Texten liegt in der Intrige. So gibt es bei Noltes Die Intrige einen soziologischen Ansatz der nicht gleich augenscheinlich ist.

 

2. Wortgeschichte und Definitionsansatz zur Intrige

Formal betrachtet, handelt es sich bei der „Intrige“ um einen „Scharnierbegriff“. Der Intrigenbeg­riff steht zwischen der Handlungsebene und der Komposition. Auf der Grundlage der soziologischen Studie von Richard Utz bedeutet die Handlungskomposition des Textes selber eine Intrige. Die französische Bezeichnung mise-en-intrigue macht dies besonders deutlich. Im deutschsprachigen Raum findet man die Intrige als Handlungskomposition eher im Drama. Hier geht es um Machenschaften und die Schürzung des Knotens.

Die Universität ist ein hierarchisch gegliederter Ort, in dem Mobbing praktiziert wird, aber in der es nicht immer unbedingt um Aufstieg und Beförderung geht.

 

3. Konstruktionsrelevante Gesichtspunkte des Idealtypus der Intrige

Frage: Was benötigt eine Intrige, um gesponnen zu werden?

Eine Intrige beruht auf der triadischen Struktur Intrigant – Intrigenopfer – Intrigenvollstrecker. Doch ist es nicht immer einfach, die einzelnen Positionen exakt zu bestimmen. Hilfreich hierbei ist der Austausch von literaturwissenschaftlichen und soziologischen Modellen, wie etwa in diesem Fall das Heranziehen des Aktantenmodells nach Greimas (s. Keller, Hafner: 1986, Kap. 10). Das Aktantemodell weist den einzelnen Positionen eine Funktion zu. Hierbei gilt es zu unterstreichen, dass der Aktant auch ein allgemeines Prinzip sein kann, also nicht zwingend eine Person sein muss. Jede Aktantenposition kann durch mehrere Aktoren besetzt werden. Das Modell wurde hauptsächlich bei Märchen und Krimis angewandt, kann jedoch problemlos und fruchtbar auch auf alle anderen Textsorten angewendet werden.

 

 

4. Inhaltsanalysen der beiden Werke in Bezug auf das Merkmal Intrige

David Lodge: Small World

Die Handlung in Small World ist keine klassische Intrige. Die Intrige wird nicht offen inszeniert, sondern ist stets latent vorhanden: Immer wieder sind Sticheleien zu erkennen, doch keine offen gesponnene Intrige. Obwohl im Roman ein ganzes „Gewirr“ von Intrigen besteht, spielt sie nur eine untergeordnete Rolle.

Bei der möglichen Intrige um den Unesco-Lehrstuhl wird aus dem Intrigenvermittler der Intrigant. Aus diesem Grund ist es ziemlich schwer am Ende noch das Opfer zu erkennen. Der Professor, der die Auswahl für den Lehrstuhl hatte, hatte sich während des Geschehens noch selbst nominiert. Es stellt sich die Frage, ob dies von vornherein geplant war oder tatsächlich erst spontan entschieden wurde.

Doch will man von einer Intrige sprechen, ist es wichtig, ob diese von Beginn an geplant war. Dies ist hier nicht der Fall. Arthur Kingfisher ist vielleicht ein „Intrigant wider Willen“. Der Intrigenprofiteur muß nicht gleich dem Intriganten sein, d.h. er profitiert, obwohl er es anfänglich vielleicht nicht wollte. Es herrscht eine Abweichung der Konstruktion. Entscheidend ist der Blick auf das Kräfteverhältnis.

 

Dorothee Nolte: Die Intrige

Die Inszenierung der Intrige findet auf mehreren Ebenen statt.

 

Thematisierung auf intradiegetischer Ebene

Das von den Hauptfiguren besuchte Seminar widmet sich der Intrige, auch werden interessante postmoderne Themenstellungen zur Intrige zitiert, ohne jedoch weiter ausgeführt zu werden. Dabei wird der Leser auf eine falsche Fährte geführt: Hier erwartet er einen theoretischen Diskurs über die Intrige, es bleibt aber bei einem Zitieren einer Auswahl von Themen. Theoretische Überlegungen zur Intrige findet man verstreut an anderen Textstellen (siehe unten).

 

Strukturierung des Plots

Es gibt mehrere sich abwechselnde Intrigenstränge, die beiden wichtigsten sind die Geschichte der Magistrandin Britta (Autorin Ottone) und die des Jurastudenten Jonas (Professor Bauer). Beide Stränge werden verknüpft an einer relativ belanglosen Stelle in der Figur des Ghostwriters. Die Struktur des Textes verwirrt den Leser. Er fragt sich, wie die beiden Erzählstränge substanziell zusammenhängen. Er wird, ähnlich wie ein Opfer einer Intrige, irritiert und getäuscht.

 

Selbstreflexive Metaebene

„Merken sie denn nicht, dass die Intrigen künstlich aufgebaut, die Handlung unwahrscheinlich, die Figuren holzschnittartig waren, dass, kurz, im Unwesentlichen etwas Wesentliches vorgetäuscht worden ist.“ (S. 105)

Diese Gedanken von Hans können als Metastelle als Verweis auf die Leerstelle im Buch gelesen werden. Denn genau das, was Hans an dem Lesestoff der Sekretärin bemängelt, kann man an Noltes Buch Die Intrige ebenfalls beanstanden: eine stereotype Figurendarstellung und eine unwahrscheinliche Konstruktion der Handlung.

Eine Deutung als ironische Selbstrelativierung würde zum sonstigen postmodernen Duktus des Romans passen.

 

5. Kontrast zweier Wissensbegriffe

Bei der Intrige geht es darum, Wissen als Kapital einzusetzen, um die Intrigenaktion in Gang zu bringen.

Intrigenwissen ist nicht akademischem Wissen gleichzusetzen; es handelt sich hierbei nur um Kenntnisse, die anderen Schaden zufügen könnten.

Die Intrige und damit das Intrigenwissen wird in den Campus Novels in der Universität angesiedelt, in der es eigentlich um akademisches Wissen gehen sollte, jedoch wird nicht wissenschaftliches Wissen, sondern eben das Intrigenwissen angestrebt. Die Gegenüberstellung der beiden kontrastierenden Wissensbegriffe erzeugt ironische Spannung.

Daß die Intrige sich um das Plagiat entspannt, bringt die text- und literaturtheoretisch wesentliche Problematik von Echtheit/Originalität/Kopie auf.

Gordana Kelava und Danica Krunic (Abschnitte 1-4)
Melanie Lauer und Elisabeth Mader (Abschnitte 5-6)

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