Satire
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Campus Novels - Universitätsromane: Die Universität als literarisches Motiv

Katja Nagel: Die Satire
 

Inhalt

1. Definition und Abgrenzung

2. Überblick zur Gelehrtensatire

3. Merkmale des Gelehrten und seines Umfeldes

 

"Die Satire"
Ergebnisprotokoll der Sitzungen vom 20. und 27. November 2003

 

1. Wie kann die Satire von der Parodie abgegrenzt werden?

Doppelstimmigkeit im Sinne von Bachtin steht zunächst in engem Zusammenhang mit beiden Gattungen. Sie funktioniert aber bei der Parodie über Textvorlagen, d. h. über eine sprachlich-stilistische Folie. Dagegen ist bei der Satire die Kenntnis bestimmter gesellschaftlicher Umstände als Verständnisfolie wichtig.

Die Satire kann sich parodistischer Strategien bedienen. Die Parodie kann also Teil der Satire sein; die Umkehrgleichung gilt hingegen nicht.

 

2. Wie ist das Verhältnis zwischen Autor, Leser und Satire-Opfer?

Das Verhältnis Leser–Satireopfer ist bei der Satire immer wichtig. Damit die Satire funktioniert, muß der Leser adressiert werden (Aggression).

Die Wirkung einer Satire kann abgeschwächt werden, wenn sich eine „Allianz“ zwischen Autor und Leser bildet. Autor und Leser teilen in diesem Fall ein bestimmtes Wissen. Insofern gibt es zwischen akademischem Leser und satirischem Opfer eines Campus-Romans ein besonderes Verhältnis, denn beide gehören derselben Szenerie an. Durch die literaturwissenschaftlich geprägte (metaliterarisch informierte) Rezeptionsgemeinschaft wird der Satire das Aggressive genommen (Bsp. Lodge).
 

3. Nachbesprechung zum Thema „Satire“

Diskussionsfragen:

1. Inwieweit wäre es sinnvoll, die Gelehrtensatire als direkten Vorläufer des Universitätsromans zu sehen, und somit eine längere Tradition zu schaffen?

2. Sind Der Campus und History Man als Gelehrtensatiren zu verstehen?
Wo sind Unterschiede zu Changing Places zu sehen?
 

Zu: 1.     Aufgrund des Vorkommens satirischer Merkmale in den campus novels ist es durchaus sinnvoll, die beiden Gattungen in Verbindung zu setzen; dennoch zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass die Universitätsromane multifigurale Romane sind, die vom Grundmuster der Gelehrtensatire abweichen. Die Merkmale der Gelehrtensatire, wie zum Beispiel die Charakterisierung des Gelehrten, die in der älteren Gattung auf eine Person konzentriert sind, verteilen sich in den campus novels auf mehrere Charaktere. Von den im Seminar behandelten Romanen zeigt Nabokovs Pnin noch die größte Ähnlichkeit zu der Gelehrtensatire. Bildungsinstitute selbst spielen in der modernen Gattung eine bedeutend größere Rolle als in den älteren Satiren. Weil ein Fokuswechsel stattfindet, findet auch ein Wechsel der Gattung statt. Reversierend zum deutschen Pendant steht im anglo-amerikanischen Universitätsroman ein einzelner Figurentypus im Mittelpunkt, wobei das Hauptaugenmerk damit auf der Behandlung des Figurentypus und damit auch auf dem Disziplinentypus liegt.

Es stellt sich die Frage, wer eigentlich eine Tradition schafft und durch was sie geschaffen wird:

→ Autor: Wollen die Autoren eine Tradition schaffen? Haben sie Gelehrtensatiren gelesen?

→ Rezipient: Ist der Rezipient ein „normaler“ Leser, dann ist es relativ irrelevant; ist der Rezipient aber ein „literaturwissenschaftlicher“ Leser, der zudem aus der Literaturkritik stammt, bekommt seine Meinung Bedeutung, weil er eine kanonbildende Instanz ist.

 

Zu: 2. History Man und Der Campus erheben einen höheren Anspruch an den Leser und kritisieren stärker, während der implizierte Autor in Changing Places nach Connery eine Allianz mit dem implizierten Leser bildet und letzterer deswegen kein Opfer der Satire mehr sein kann, da sich Autor und Leser auf der Metaebene der Selbstreflexion treffen. Weiter muss bei Lodges Roman genau zwischen der Satire und satirischer Schreibweise unterschieden werden.

Wie geht es den Lesern anderer Kulturen in Bezug auf die Fragestellung nach der Satire? Macht es einen Unterschied, ob man aus demselben System stammt? Hierbei sollte man bedenken, dass es sich nicht um reale, sondern zumeist um fiktionale Texte handelt und in diesem Fall ist ein eigener kultureller Standpunkt von keiner großen Bedeutung. Der Unterschied liegt höchstens in einem veränderten Verständnis für Humor (Humorkonzept; Humor ist kulturbedingt verschieden). Greift man auf die These des Universitätsromans als Milieustudie zurück, so ist es nicht wichtig, aus welchem Milieu man stammt, um den Humor nachvollziehen zu können. Und ebenso verhält es sich bezüglich kultureller Unterschiede.

Der Gebrauch von Fremdwörtern, der dem Handout nach ein Merkmal des Gelehrten ist, kann nicht als Beweis gesehen werden, dass die eine Gattung wirklich an die andere anschließt. Betrachtet man jedoch die Szene in Bradburys History Man „mit den dummen Mädchen, die versuchen, sich wissbegierig zu inszenieren“, dann scheint es sich doch eher um eine Form von Studentensatire zu handeln. Dieser Blick ist eine soziologische Analyse der Lage bei der die wissenschaftliche Terminologie als Charakterisierung eingesetzt wird.

→ satirisch populär­wissen­schaftliche Darstellung (s. Bradbury: 1975, S. 68). Die Terminologie allein macht noch keine Satire. So wird sie bei Lodge im Gegensatz zu Schwanitz nicht satirisch eingesetzt.

 

Celine Genschke (Abschnitte 1-2)
Gordana Kelava und Danica Krunic (Abschnitt 3)

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