Campus Novel als Krimi
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Campus Novels - Universitätsromane: Die Universität als literarisches Motiv

Céline Genschke: Die Strukturen des Kriminalromans in Campus Novels 

Inhalt

1. Der Kriminalroman
1.1 Gattungsgeschichte und Definitionsansatz

2. Der Universitätskrimi
2.1 Thematisierung des Universitätsmilieus im Kriminalroman
2.2 Spurenleser: Detektiv und Akademiker
2.3 Gaudy Night, Berliner Aufklärung

 

Das Krimikonzept des Universitätskrimis
Ergebnisprotokoll der Sitzung vom 06. November 2003

 

Klärung der Begriffe ‚Krimi’ und ‚Universitätskrimi’

Im Referat wurde dargestellt, auf welche Weise ein „herkömmlicher Krimi“ funktioniert (sehr detailliert auf Handout). Zusätzlich wurde beschrieben, wie und warum ein Krimi zum Universitätskrimi wird. Hierbei wurden zusätzlich zur Darstellung im Referat noch folgende Punkte hervorgehoben:

  • der für Krimi wichtiger geschlossener Raum findet sich im Campus (räumlich)
  • zusätzlich bildet die Gemeinschaft der Universität auf geistiger Ebene einen „geschlossenen Raum“
  • dieser bietet ein exklusives Milieu (vgl. im herkömmlichen Krimi z.B. Orient Express)
  • außerdem liegt es nahe, dass sich bei der Aufklärung eines Mordes Intellektuelle wie an einem Gedankenspiel beteiligen


Diskussionspunkte:

Intertextualität: Der Begriff „Symbol“ (Pkt. II.1) erschien unzutreffend. Präziser wäre das hier Gemeinte als intertextuelle Verweisstruktur zu fassen. Beispiele aus den Primärtexten (Dorn - Berliner Aufklärung: Kapitelüberschriften) hätten eine Präzisierung einfacher gemacht.

Diskretionsgebot: Die Teilnehmer verwiesen auf die „doppelte“ Struktur der Diskretion (Pkt. II.2). Zum einen geht es darum, den Ruf des Colleges nach außen (Gesellschaft) zu wahren und im Gegensatz ‚College vs. Universität’ zu bestehen. Zum anderen geht es aber auch intern um die Geheimhaltung von Forschungsergebnissen vor anderen Uniangehörigen. Genanntes Beispiel war Sayers Gaudy Night.


Außenseiter:

Die These der Referentin, Wissenschaftler seien analog zur Figur des Detektivs Außenseiter, war strittig.

  • Als Gegenthese wurde vorgebracht, dass Wissenschaftler in die Gesellschaft integriert und wohl angesehen seien.
  • Der Begriff „Außenseiter“ kann nur dann Sinn machen, wenn er in Bezug zum Begriff des „Sonderlings“ beschrieben und präzisiert wird. Offen blieb die Frage, ob Wissenschaftler in ihrer Darstellung nicht häufiger dem Typus des Sonderlings zuzurechnen wären.
  • Der Akademiker kann innerfiktional dann nicht dem Typ des Außenseiters zugerechnet werden, wenn die Mehrzahl der Nebenfiguren ebenfalls Akademiker sind. Auf der äußeren Ebene der Textstruktur muss die Frage hinsichtlich der Inszenierung von Klischees, oder Stereotypen untersucht werden. Wird im Zuge dieser Inszeniertheit ein Klischee vorgeführt oder kritisiert (z.B. Sonderling)?
  • Beispiel: Dorns Berliner Aufklärung. Hier besteht die Außenseiterposition der Akademikerin hauptsächlich darin, dass sie durch ein zusätzliches Attribut als Außenseiter in Bezug auf die geschlossene Welt der Universität gesetzt wird (z.B. ‚Homosexualität’ und besonders ‚abgebrochenes Studium’).

→ Als zentrales Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Zuordnung einer Figur zu einem bestimmten Typus (z.B. Sonderling), nicht unabhängig von einer Untersuchung der Gemachtheit des Textes erfolgen kann. Inszeniert der Text beispielsweise Klischees, oder nicht?


Detektiv vs. Akademiker:

Grundsätzlich in Frage gestellt wird, ob es tatsächlich möglich ist, eine Analogie zwischen dem Typ des Akademikers und dem des Detektivs zu finden. Vor allem die Begründung dieser Analogie (beide haben Außenseiterfunktion) wurde kritisiert.

→ Ergebnis und Entkräftung der Begründung: Die Figuren nehmen sowohl eine Innen-, als auch eine Außenfunktion ein. Sie wirken als „Halb-Außenseiter“ (vgl. Anja Abakowitz). Es macht jedoch Sinn, dass sie mit dem Leben der Universitäten bekannt sind (bzw. sogar das betroffene Institut gut kennen), da ihnen das Lösen des Rätsels um das Verbrechen auf diese Weise erleichtert wird. Diese These wird untermauert durch den Verweis auf die Figur des Journalisten im Campus, die Figur der Ehemaligen in Gaudy Night und eben die Studienabbrecherin Anja Abakowitz.


hohes Gattungsbewusstsein:

  • Der "klassische Krimi" ist keine Gattung, die „große Experimente“ zulässt. Er stellt ein schematisiertes Genre dar und besitzt gleichbleibende, regelhafte Grundstrukturen. Besonders im Unikrimi wird mit diesen eher spielerisch umgegangen (z.B. Ende von Berliner Aufklärung).


Metakrimi:

  • Sayers Gaudy Night als metafiktionaler Text; „Krimi über den Krimi“
  • Exemplifiziert wird diese These an der Figur der Harriet Vane, die als Krimischriftstellerin selbst einen Kriminalfall löst, und parallel zum Verlauf der Detektivstory ihren eigenen Roman schreibt. Bsp.: Harriets Lästern über den Stil und die Logik trivialer Kriminalromane und deren Autoren. (vgl. Zitat, I.1)
  • Es wurde auf den Widerspruch in Vanes Aussagen verwiesen. Bezüglich ihrer Schriftstellerkolleginnen spricht sie davon, dass Leben sähe nicht so aus, wie diese es in ihren unterkomplexen Büchern beschreiben, in Wirklichkeit sei alles viel komplizierter. Aber Vanes Text - und Sayers auch - sind dem selben Krimikonzept treu und verwenden die selben Grundstrukturen: In einem abgeschlossenen Raum wird ein Verbrechen begangen. Dieses Schema „verkauft“ sie dem Leser allerdings als wirkliches Leben (Sayers 219), indem sie den geschlossenen Raum (früher z.B.: Zug, Schloss ...) auf den vermeintlich offeneren Campus ausdehnt.

→ Erkennt Vane diesen Widerspruch selbst und will deswegen am Ende des Romans ihren eigenen Roman umschreiben? Impliziert ihre Hinwendung zu einem subjektzentrierten Roman eine Abkehr vom Genre des Kriminalromans? Wie verhält sich die Autorintention von Vane zur Intention von Sayers?


Krimikonzept allgemein:

  • Wie stark braucht Berliner Aufklärung und Gaudy Night im Gegensatz zum Campus den Raum Universität, um die Kriminalgeschichte zu entwickeln? Als These wurde vorgebracht, dass in Schwanitz´ Werk die Universität auch durch eine andere Institution (z.B. Firma) ersetzt werden könnte, ohne dadurch den Aufbau der Kriminalgeschichte zu stören. In diesem Zusammenhang fiel aber auf, dass Phänomene, wie z.B. „harassment“ (z.B. Prof. – Student), an der Uni begünstigt auftreten (eher als vielleicht in einer Firma).
  • Gleichzeitig stellte man für manche Universitätsromane fest, dass die zentralen Faktoren des Mordes nicht mehr ausschließlich an die Institution Universität gebunden sind (Berliner Aufklärung). Hierbei wurde verwiesen auf den Gegensatz von „Trivialroman“, bzw. „Höhenkammliteratur“.
  • Ähnlich wie der Raum ‚Uni’ auf diese Weise nur als Rahmen benutzt wird, wird auch der wissenschaftliche Diskurs im Text nur noch am Rande dargestellt oder trivialisiert. (Berliner Aufklärung).
  • Anders als im "klassischen Kriminalroman", kommt es im Universitätskrimi weniger auf die Rätselstruktur und deren Darstellung an, als vielmehr auf die Einbettung der Mordgeschichte in eine Milieustudie.

Eva Esslinger und Moritz Gekeler

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